Interview mit MIA. vom 14.11.2004,
geführt von Wolfgang Lienbacher (Radio Rockhouse).


Weshalb habt ihr euch für Elektropunk als Musikrichtung entschieden?

Also wir saßen nach unserem ersten Album zusammen und ham gesagt, ok, hamma gut gemacht, was hamma denn hier? Und Elektropunk beschreibt für uns nicht nur nen` Musikstil, sondern viel mehr nen` Lebensstil und ein Lebensgefühl und ne Herangehensweise an die Dinge, es heißt für uns, Musik machen, um der Musik willen. Verschiedene Musikstile mixen, ohne auf bisher bestehende Grenzen zu achten, sondern Grenzen verschwimmen zu lassen und frei damit zu sein. So kam`s erst zu so was wie „Factory City˜, „Machtspiele˜, dadurch gibt’s so was wie „Skandal˜ oder „Komm her˜. Weil wir sind zwar keine Reaggae Band, und trotzdem macht mir oft Gitarre Spaß, und wenn es das ist was das Lied so einzigartig macht, dann wird noch oft Gitarre rein genommen. Darum geht’s irgendwie, um so ne Freiheit. Das beschreibt Elektropunk für mich.

Wer sind deine Idole?

Also ich muss gestehen, ich hab sehr, sehr spät angefangen Musik zu hören, das ist mir auch ein bisschen peinlich, aber meine erste wirklich selbst gekaufte Single war „I want to get
away ˜ von ähhm … (singt den Refrain) … Wie heißt er noch mal ? Lenny Kravitz genau.
Ich hab vorher immer nur Tapes zugesteckt gekriegt, mich hat das nie so … da kam einfach viel von Innen, ich hatte glaub ich selber ganz, ganz viel raus zu schreiben bevor ich andere Sachen hören konnte.
Aber mich haben Leute immer beeindruckt wie Simon and Garfunkel, jetzt beeindrucken mich Leute wie REM, Radiohead, Coldplay dann aber auch Leute wie die Beatsteaks, mich beeindrucken einfach Leute die von ganzem Herzen tun was sie da tun, die auch auf was verzichten. Ich glaub was mir meine Eltern mitgegeben haben ist nicht ein bestimmter Musikstil sondern eher Dinge die Bestand haben. Mein Papa hat so ein Lieblingslied, des hat   er seit 20 Jahren, ja? Einfach weil der Inhalt soviel bedeutet – „Silence is golden˜. Da dacht ich so, aha, so ne Musik möcht ich machen. Musik die Bestand hat, die ich in 20 Jahren noch hörn kann … mal sehn wa’?


Euer Lied, was es ist, hat ja ziemlich viele Negative Kritiken und Wellen verursacht, bereut ihr jetzt im Nachhinein irgendwas in Veröffentlichungen oder Interviews die ihr gegeben habt?

Nein, keine Sekunde. Genauso wies negative und kritisierende Momente gab, gab es genauso viel Positives und inspirierendes Feedback. Wir hatten das Thema intern viel diskutiert weil allein schon die Vokabel „Deutschland˜ und „deutsch˜ zu benutzen mussten wir erstmal probieren wie sich das anfühlt, es war auch sehr unbequem, und dementsprechend rechnet man auch mit so einer Reaktion von außen, sind ja alles Menschen nicht? Und wenn ich schon aus ner` unbequemen Lage und aus ner` Beklommenheit heraus dieses Lied schreibe, dann weiß ich auch dass es da Leute gibt, die auch Ängste damit verbinden und auch beklommen damit sind und gerade das begreife ich eher als Chance. Also wenn’s da jemanden gibt, der sagt er hat damit ein Problem, er findet das schwierich, dann wünsch ich mir immer das da ein Gespräch anfängt,  auch im Freundeskreis zu reden und sagt „ich hab da fast die Krise gekriegt als die neues deutsches Land gesagt hat˜. Das ist doch gut ey`, das ist ne` große, große Chance die wir hier haben. Also wir müssen über dieses Thema reden, es ist ganz einfach so. Es wird Generationen geben die, so wünsch ich mir das, die unkompliziert und offen mit dem Thema umgehen, und das können die erst wenn wir das mal durch haben.
Ich frag dich auch, wann hat Musik das letzte Mal soviel bewirkt? Und ich freu mich ein Teil davon zu sein! Muss nicht immer süß schmecken.
(Anmerkung: Wir (das Rockhouse) würden Bands wie Mia oder auch Virginia Jetzt! nicht veranstalten wenn wir der Meinung wären, dass sie rechts seien)


Was würdest du den Leuten empfehlen die dieses Lied („was es ist˜) falsch verstanden haben?

Ich würde ihnen empfehlen die Replay - Taste zu drücken und den noch mal sich anzuhören, und vielleicht auch nicht alleine sondern mit Freunden. Weil das wichtigste an dem Lied ist tatsächlich das Gespräch, die Auseinandersetzung mit sich selbst, mit seinen eigenen Gedanken. Und, ja, sich ein eigenes Bewusstsein zu schaffen. Ja, dass ist mir am Wichtigsten an der ganzen Sache, dass die Menschen dazu eine eigene Meinung haben. Können auch die Meinung haben dass sie soweit noch gar nicht sind, dass sie darüber noch gar nicht reden wollen.


Wie reagiert man dann darauf wenn auf etwas das total gut gemeint ist Plattformen gegründet werden wie zum Beispiel www.mia-ist-uebel.tk  ?

Also ich bin für Meinungsfreiheit, ich bin dafür dass man auch seinen Weg und sein Medium findet dass zu veröffentlichen, und wie gesagt, aus genau so einer Beklommenheit ist dieses Lied entstanden, da muss man ansetzten, da muss man einfach weitermachen – da kanns` ja nicht aufhörn`!



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